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Fairer Tourismus auch in Südtirol![]() Von fairem Tourismus kurz und bündig zu sprechen ist nicht einfach. Die Vereinigung AITR (Associazione Italiana Turismo Responsabile) definiert ihn wie folgt: „ein ethisches und bewusstes Reisen, das den Bestimmungsländern, den Menschen und der Natur mit Respekt und Offenheit begegnet. Ein Reisen, das nicht Zerstörung und Ausbeutung fördert, sondern sich universelle Prinzipien zu eigen macht: Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Toleranz.“ Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren Urlaub und Vergnügungsreisen ein Privileg von wenigen Wohlhabenden und Abenteuerlustigen. Die Einführung von neuen Technologien im Transportwesen hat es immer mehr Personen ermöglichkeit, in kurzer Zeit immer weiter entfernte Orte zu erreichen. So entstand das Zeitalter des Massentourismus. Die Entdeckungslust, die Verkürzung der Entfernungen, die Lust, dem Alltag zu entfliehen, aber auch wirkungsvolle Werbekampagnen haben dazu geführt, dasss immer mehr Menschen ihren Urlaub in fernen Ländern verbringen wollen. In den Paradiesen der Erde entstanden große Hotels, Flughäfen, Vergnügungsparks und Ferienanlagen. Der Tourismus wird weltweit zum größten Wirtschaftssektor: mehr als 5 Milliarden Personen verreisen jährlich (davon ca. 600 Millionen ins Ausland). Er beschäftigt Millionen von Menschen (jeder 15. auf der Welt); voraussichtlich wird er auch in den nächsten Jahrzehnten noch exponentiell ansteigen, dank weiterer Entwicklungen im Transport- und Kommunikationswesen. Doch der Massentourismus bringt der Bevölkerung vor Ort keinen Reichtum: Das Personal wird häufig ausgebeutet und unterbezahlt und die Gesetze zum Schutz der Umwelt werden häufig umgangen. Vom Tourismus profitieren vorwiegend die großen Reiseveranstalter, die ein All-Inclusive-Paket anbieten, bei dem der Großteil der Erlöse im Herkunftsland der Touristen verbleiben. Die Einrichtung der Hotelanlagen und manchmal auch die Speisen werden im eigenen Land gekauft, das einheimische Personal wird nur für niedrig qualifizierte Arbeiten angestellt, während das Management aus dem Ausland kommt. Aber Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als der Faire Handel sich immer mehr verbreitete, erheben sich in Italien kritische Stimmen zum Massentourismus und es entsteht die Idee einer neuen Art zu reisen, die den Ländern und Menschen im Süden der Welt mit Respekt begegnet. Der „fruchtbare Boden“, auf den die Samen dieser Idee fallen, ist der Faire Handel und die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Immer öfter möchten Freiwillige des Fairen Handels die Produzenten treffen, deren Produkte in den Weltläden verkauft werden. Gleichzeitig unternehmen immer mehr Mitglieder von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO’s) Reisen in ihre Projektländer. Es ist daher kein Zufalle, dass die erste Reise des Fairen Tourismus’ von CTM altromercato (einer der wichtigsten Importorganisationen des Fairen Handels in Italien) nach Ecuador durchgeführt wurde. Schnell entstehen Reiseveranstalter, welche sich auf faire Rundreisen spezialisieren. Es werden die ersten Reisekataloge herausgegeben, die Jahr für Jahr um immer neue Ziele bereichert werden. Die Sozialgenossenschaft ViaggieMiraggi entsteht nach Besuchen bei Partnern des Fairen Handels und bietet Dienstleistungen im Sektor des fairen Tourismus an und trägt so zur Verbreitung von dessen Prinzipien bei. Es geht darum, sowohl die landschaftlichen und kulturellen Schönheiten eines Landes als auch die Besonderheiten aus menschlicher und sozialer Sicht kennenzulernen. Fairer Tourismus bedeutet aber nicht, in hässlichen Orten zu schlafen oder Favelas zu besuchen, wo die Menschen um ihr Überleben kämpfen: es soll nicht der „mitleiderregende“ Aspekt eines besuchten Ortes zur Schau gestellt werden. Die meisten Reisen haben Länder im sogenannten „Süden der Welt“ zum Ziel und sind meist Rundreisen. Da die Erlöse im Land bleiben sollen, werden Unterkünfte mit einheimischer Führung ausgewählt. Neben dem Besuch der berühmtesten touristischen Sehenswürdigkeiten sind auch Begegnungen mit der sogenannten „Zivilgesellschaft“ vorgesehen: Projekte des Fairen Handels, Kultur- oder Menschenrechtsvereinigungen oder NGO’s. Ein einheimischer Begleiter, der nur selten ein professioneller Touristenführer ist, begleitet die Reisegruppe: er ist ein kultureller Mediator zwischen den Reisenden und der einheimischen Bevölkerung. Normalerweise ist er ein Mitglied der veranstaltenden Organisation. Eines der Merkmale des Fairen Tourismus ist die direkte Finanzierung eines lokalen Entwicklungsprojekts zusätzlich zu den Kosten der Reise selbst (Unterkunft, Verpflegung, Führung ...). Die sogenannte „Projektquote“ wird zur Unterstützung eines bestimmten Projekts verwendet, das normalerweise von einer nicht gewinnorientierten Vereinigung vorangetrieben wird, z.B. zur Verbesserung des touristischen Angebots einer bestimmten Gemeinschaft. Tourismus kann zerstören, aber auch eine große Rolle beim Schutz der Kultur, der Umwelt, der Menschen spielen. Er kann ausbeuten oder Ressourcen in die besuchten Länder bringen und die lokalen Kulturen fördern. Das ist die Überzeugung der Personen, die im Fairen Tourismus aktiv sind; aus diesem Grund hat im Jahr 2009 die Genossenschaft „Le Formiche – die Ameisen“ (die in Südtirol 3 Weltläden führt, www.formibz.it, www.weltladen.bz.it) beschlossen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, sich mit ViaggieMiraggi zusammenzutun und die erste faire Reise mit Bestimmungsort Mexiko anzubieten. Aufgrund des Erfolgs und der positiven Aufnahme dieser Initiative wird von nun an jedes Jahr eine Gruppenreise sowie Individualreisen in alle Welt organisiert. Dies deshalb, weil wir überzeugt sind, dass wir zusammen Schritt für Schritt den fairen Tourismus durchsetzen können. Quellen: CTM Altromercato www.altromercato.it ViaggieMiraggi www.viaggiemiraggi.org Vagabondo www.vagabondo.net AITR www.aitr.org Viaggi solidali www.viaggisolidali.it ![]() ![]() |
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