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Zum Beispiel Pedro oder Du oder SieIn der Ökonomie zählen vor allem Zahlen. Kosten, Erträge, Aufwendungen, Konsumenten, Gewinne. Das ist nicht falsch, wohl notwendig. Gefährlich wird es, wenn der Mensch weit weniger oder gar nichts mehr zählt. Wenn hinter all den Zahlen die Bedürfnisse des Menschen nicht mehr gesehen werden. Hier in unserem Land oder in einem der Länder des Südens.![]() João, 10 Jahre, BrasilienJoão ist zehn. Vielleicht auch schon elf. So genau weiß er das selbst nicht. Er wohnt in der „Valle de la esperança“ drei Fahrstunden und drei Jahrhunderte Entwicklung von Brasilia, der Hauptstadt, entfernt. Und warum das entlegene Tal, das vor einigen Jahren vertriebenen landlosen Kleinbauern zugewiesen wurde, „Tal der Hoffnung“ heißt, weiß auch keiner so recht. João wohnt in einer Strohhütte, ohne Strom, ohne Licht, ohne TV. João besitzt wenig mehr als er auf der Haut trägt, dennoch ist er glücklich. Aber nicht wunschlos. Er träumt von einem Radio, das mit Batterien betrieben wird. Und er möchte lernen ein guter Bauer zu werden. Auch wenn der Ertrag kaum reicht, eine Familie zu ernähren. Aber vielleicht wird auch er dem Sog der Großstadt, die wie ein gigantischer Staubsauger Tausende Menschen anzieht und an ihren Rändern anlagert, nicht widerstehen können. Joãos großer Bruder, Waldemar, ist schon weggezogen.Pedro, 43 Jahre, MexikoPedro Alvarez ist Kaffeebauer, Kaffeepflücker. Dort, wo der beste Kaffee wächst, im Bundesstaat Oaxaca. Aber auch hier muss jede Kaffeekirsche einzeln gepflückt werden. Eine mühsame Arbeit und für Pedro das einzige Geldeinkommen. Aber Pedro erhält einen guten Preis für seine Ware. Plus einen 15-Prozent-Bio-Aufschlag. Pedro ist Mitglied der Genossenschaft UCIRI. Diese vermarktet den Kaffee direkt nach Europa. Die Genossenschaft von über 2.500 Familien aus den Völkern der Choles, Mixes, Zapoteken und Zoques ist eine Keimzelle des fairen Handels. Basisdemokratisch organisiert - nach alter indianischer Tradition. Heute hat UCIRI eine eigene Klinik. Mit Ärzten, Zahnärzten und einer Naturheil-Apotheke. Und das mitten in den Bergen, weit weg von der nächsten Stadt, aber direkt neben der Verarbeitungszentrale.Hiytar, 24 Jahre, Sri LankaHiytar ist Teepflückerin. Sie pflückt Teeblätter, die zu den besten in der Welt gehören. „Highgrown“ wird die Qualität genannt, weil sie in über 1200 Metern Meereshöhe wächst. Teepflücken ist Frauenarbeit. Oft auch Kinderarbeit. Für Hiytar ist es irgendwie beides. Ihr zweijähriges Kind muss sie auf das Feld mitnehmen. Und dennoch reicht der Tageslohn – hundert Rupien – gerade mal für drei Kilo Reis, oder vier Kilo Mehl. Fleisch ist zu teuer. Für ein Hühnchen müsste Hiytar zwei Tage arbeiten. Auch getrockneter Fisch ist teuer geworden. Hiytar ist ein fröhlicher Mensch. Immer noch. Für sie geht das Leben seinen gewohnten Gang, seinen gewohnten harten Gang. Sie hat wenig Hoffnung, dass es ihrer Tochter einmal besser gehen wird. Hiytar hat eine stille Fröhlichkeit, aber sie weiß, dass in einer gerechteren Welt ihr Leben auch ganz anders verlaufen könnte.Peter, 44 Jahre, BozenPeter ist Beamter. Ein durchschnittlicher, pflichtbewußter, solider Beamter. Das bedeutet, eine geregelte Arbeit, eine relativ klar abgegrenzte Verantwortung, keine großen Risiken, ein geregeltes Einkommen. Peter ist überzeugt, dass eine Gesellschaft auf Recht und Gerechtigkeit aufgebaut sein muss. Er versucht, seine Arbeit gewissenhaft zu erledigen. Er hat Prinzipien. Er ist sparsam und hält nicht viel von Markenfetischismus. In den Ferien fährt er meist ans Mittelmeer, möglichst in der günstigeren Vorsaison, aber einmal flog er sogar nach Jamaica, aber die Armut außerhalb der Touristenghettos hat ihn schockiert. Er konnte den Urlaub nicht so recht genießen. Peter ist verheiratet, er hat zwei Kinder und noch Träume. Er kauft Tee und Kaffee im Weltladen. Es ist ihm wichtig, auch wenn er weiß, dass es nur ein Tropfen ist.Tomàs, 60 Jahre, BolivienTomas hält nichts vom süßen Nichtstun, auch wenn sich bei ihm vieles um Kakao und Schokolade dreht. Tomas wohnt im Tiefland, in jenem Teil, der Alto Beni heißt. Seine Familie lebt vom Kakao; auf etwa 3,5 Hektar hat sie die Kakaopflanze angebaut. Sie ist damit nicht reich geworden, ganz und gar nicht, aber sie lebt weit besser als noch vor einigen Jahrzehnten. Denn die Familie ist Mitglied einer Genossenschaft, und diese Genossenschaft ist wiederum Teil der Dachorganisation El Ceibo. Diese gibt es seit einem Vierteljahrhundert und schon seit 1986 bestehen Beziehungen zu Fair-Handelsgesellschaften in Europa. Ein Großteil des Kakaos wird ökologisch angebaut; schrittweise kommen weitere Bio-Flächen hinzu. El Ceibo verfügt sogar über eine eigene Verarbeitungsanlage in der Nähe von La Paz, in der etwa 30 Menschen beschäftigt sind. Tomas freut sich, dass immer mehr Bauern begreifen, dass Gemeinschaft den Einzelnen stärkt.Elian, 20 Jahre, BangladeshElian hat zu tun, er hat eine Arbeit, ja man könnte ihn beinahe als Unternehmer bezeichnen. Er verkauft Betelnüsse und Birris. Birris sind Zigaretten aus Tabak und Kräutern. Er kauft sie in einem 25 km entfernten Dorf ein. Ein Fußmarsch, ein Tagesfußmarsch. Ein Rad oder gar ein Motorrad besitzt er nicht. Elian kann nicht schreiben. Aber er kann rechnen. Er weiß, dass er nur etwas mehr als 10 Prozent aufschlagen kann. Davon muss er die Spesen bezahlen (Sohlengeld etc.), der Rest ist Gewinn. Der Rest reicht gerade, das Essen für die Familie zu bezahlen. Zum Sparen bleibt nichts übrig. Investieren: das Wort kennt der Unternehmer Elian nicht. Er hat von einer Organisation gehört, die Kleinkredite zu erträglichen Zinsen vergibt. Elian ist skeptisch |
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